[…] Vera Schindler-Wunderlich nimmt den Schall aus allen Lebensbereichen auf und formt ihn, setzt Sprünge und Kontrapunkte, die grafisch und akustisch erfahrbar sind. Wir begegnen der Komplexität menschlicher Empfindungen im Spiel mit Mehrdeutigkeiten, wie zum Beispiel in Morgenkater, auch wenn: «Wie ein weicher Lockruf an die Finger, ein / ‘Fass mich an’ (sag: ‘Hm?’ zu ihm […] Samtfeld, lammhell, wie?» […]
Viele der Gedichte nehmen Themen aus der jüngsten Vergangenheit auf, die Nachrichten über den Krieg in der Ukraine sowie das persönliche Erleben der Corona-Pandemie. […] In anderen Gedichten experimentiert die Dichterin mit der Sprache, um zu zeigen, wie man mit Sprache ringen muss, um ein Erleben zu zeigen, wie hier in Art. 227 Ziff. I Abs. 1: «Ich kann nicht sprechen, nicht / sagen kann ich …» […]
Aus allem vermeintlichen Nicht-Sprechen entsteht aus diesem Gedichtband ein Kosmos aus Bildern und polyphoner Sprachmusik, in den sich der Leser, die Leserin hineinziehen lässt.