Die Gedichte dieses Buches […] führen eine Art Selbstgespräch. Sie befragen die Möglichkeiten der Dichtung: Wie verändern sich die Darstellung und Wahrnehmung der Welt, wenn eine Zeile kippt? Oder wenn die Zeilen sich in Wellen auf und ab bewegen? Oder wenn Einrückungen und unterschiedliche Schriftarten miteinander ins Gespräch kommen? […]
Sie erzählen von einer Hochzeit, dem «Ja-Tag», vom Streiten, der «Aberei», es gibt eine ganz eigenwillige, im Juni spielende Interpretation von Weihnachten, «Vom fernen, glücklichen Fest». Oder auch ein Gedicht über eine von ihrem Mann erschossene Ehefrau, sowie eines über einen «Pflegling», der im Rollstuhl sitzt, gewaschen werden muss, der trotz dieser Hemmnisse schön und fröhlich ist. Sie sind der Wirklichkeit, dem täglichen Leben entnommen, die Themen, über die die Gedichte sprechen. […]
Es sind Formulierungen, die sofort einleuchten, ein Bild aufspringen lassen. Dieses Bild wird bereichert durch die physische Form der Gedichte, die nicht aus untereinander-gesetzten Zeilen besteht. […] Die Strophen sind abgesetzt, eingerückt, wandern nach rechts und wieder nach links, bei vielen Gedichten muss das Buch gedreht werden, weil sie quer daherkommen.
In Klammern gesetzte Zeilen oder Worte, Abstände wie Takt-Striche, Leerzeilen – es geht schon ein bisschen wild zu, im «Satzteil-Lager», das die Gedichte auch sind. Es gibt flackernde Worte wie «hhusten, sincken, fattern», und es gibt jenen «Schallwandler», der auch «Kammer, bedenklicher Renner » ist: Das Herz.
Sie sind mit Herzblut geschrieben, mit sehr kühlem Kopf und glasklarem Blick, die Gedichte, die vom Leben erzählen und vom Dichten. […]