»›Seetüchtig oder ländlich?‹ Vera Schindler-Wunderlich legt eigenwillig verrätselte Gedichte vor.
Ein wahres Kontrastprogramm hat sich diese Autorin vorgenommen. Im realen Leben arbeitet die 1961 geborene Vera Schindler-Wunderlich als Redaktorin und Protokollführerin des eidgenössischen Parlaments. Als Dichterin schreibt sie eine Lyrik, die sich ungemein spielerisch gebärdet. Zwar geraten ab und zu Vokabeln aus der Terminologie der amtlichen Dokumente in das Wortreich der Lyrikerin, aber bald einmal treiben sie es bunt und entführen uns ins Land einer grenzenlosen Fantasie. Die Frage ›seetüchtig oder ländlich?‹, die eines der Gedichte stellt, lässt sich vor diesem Hintergrund unschwer beantworten. Wer ein anarchisches Gen in sich trägt, wagt sich auf den Ozean der Wörter und treibt nur zu gerne weg aus der Domäne der Realprosa. (…)
Immer behauptet sich die poetische Sprache als autonome Kraft. Bändigend wirkt dagegen in diesem Reichtum eine deutlich rhythmische Formung. Und man glaubt es vielleicht nicht, aber es gibt einiges zu lachen, wenn sich die Autorin etwa dem Problem der Arterhaltung zuwendet und in einem Heiligen ebenfalls dieses Bemühen entdeckt: ›Selbst Sankt Martin wollte / seine Martinsart erhalten, freute sich / mit halbem Mantel / zitternd schon auf seine / Marke . . .‹«