Beat Mazenauer am 6. Januar 2017 auf viceversa literatur.ch

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»Schindler-Wunderlich feiert das überraschend Evokative in ihren Gedichten, indem sie präzise beschreibt und zugleich das Beschriebene bedeckt hält. ›So wird‘s erzählt (wir hoffen, / dass es stimmt)‹.
Wie ließe sich über Politisches, Amtliches, Öffentliches dichten? Vera Schindler-Wunderlich gibt darauf Antwort auf eigenwillige Weise mit zuweilen verblüffenden Bildern. In ihren rund 50 Gedichten fallen zumindest dem Schein nach poesieferne Begriffe ins Auge: ›Staatsrechnung‹, ›Personenrecht‹, ›Wechselkurs‹, ›Nicht wahr, Geld‹ lauten überraschende Überschriften. Unter letzterer formuliert die Autorin auf vierzehn verdichteten Zeilen eine kryptische Geldtheorie, die der monetären Realität verräterisch nahe kommt.

Geld ist nicht Geld, doch Quid pro quo bleibt wahr:
Muh will Ablass, Schuld bleibt updatebar.

Vera Schindler-Wunderlichs Sprache evoziert einen schnellenden Sog der Worte, Begriffe, Metaphern. Wo sich Lücken auftun und der Sog ins Stottern gerät, drohen Konflikte, wie in ›Immer noch nicht»: Ein nächtliches Aufwachen, kurz nur, um vier, weil draussen etwas vor sich geht – ›ich schlief ja, doch sah‹, dass etwas passiert,

doch ich, ich schwieg wie ein

Mensch, stiess nicht diesen Arm,

riss nicht diesen Schuh weg, weil ich,

nein doch, weil ich schlief?

In diesen Zeilen und in diesem ungeraden Fragezeichen bleibt unausgesprochen, doch intuitiv eingestanden eine Schuld kleben.

Ein leichtes Flimmern und Flirren kennzeichnet diese Lyrik. Die Landschaft gibt sich ›unverheddert‹, die Wiesen sind ›willig wiesengrün‹, und ›ich bin dir liebsam‹. Es verleiht auch den intimeren Momenten Einzigartigkeit. Zum zweiten liebt die Autorin speziell rhythmische Reihungen und Wiederholungen: zur Ver-Sicherung und Fest-Stellung der Tatbestände – auf der Suche nach der Synthese von öffentlicher Zuwendung und sprachlicher Verdichtung. Das ist meist virtuos und brillant komponiert, nicht immer ganz und gar auf Anhieb ergründbar – doch ohne Ausnahme schillernd und genuin lyrisch … «

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