Vera Schindler-Wunderlich hat mit ihrem dritten Lyrikband Langsamer Schallwandler ein fulminantes Sprachangebot vorgelegt. […] Schon die erste Strophe des ersten Gedichts Ja wenn wir Summen ist dynamisch, voller Geheimnis und besticht mit Neologismen: „Wir fingen uns zur Zeit der reifen, roten / Luft, der langen Landebahnen, / waren Tulpenerfinder, Prachtleser, schrieben: / Hier beginnt das Buch der Funken.“
Das Gedicht „Akt des Ach doch“ führt sehr eindringlich in die Welt der körperlichen Einschränkungen, führt die Ohnmacht und zugleich den Mut vor Augen, den die/der Behinderte aufbringen muss, um sein Leben geduldig zu tragen: „Dein Leben als Gliederpuppe, Anziehpuppe? / Gelenkig, heiter, beschämt“. […] „Abends ein Hingelegtwerden, / als Pflegling, Liebling, / nächtlich: Plage Lagerei“ … und dennoch „schön sein“ und „ins Fröhliche / schwappen“. […]
Andere Gedichte rufen die Tätigkeit als Stenografin und Redakteurin im Schweizerischen Bundesparlament in Erinnerung – wo sie als „Tippmaschine“ … „verschoben war“ … „verrieben war, zertippt“ und sich letztlich, nach einem Absprung, „tonlos“ im Abgrund wiederfand. In einige Gedichte drängt sich Gesetzes- und Parlamentssprache, was diese Texte besonders macht.